Wenn Männer kontinuierlich Sport treiben, sind sie im Alter seltener gebrechlich

Eingeschränkte Bewegungen, Muskelschwund, allgemeine Schwäche und brüchige Knochen sind häufig im höheren Lebensalter. Die gute Nachricht lautet: Sport hilft. Vor allem Männer sind im Alter deutlich länger fit, wenn sie ihr Leben lang kontinuierlich Sport treiben. Dies analysierten Wissenschaftler des Sozio-oekonomischen Panels am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Kooperation mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Forschungsgruppe Geriatrie der Charité – Universitätsmedizin Berlin im Rahmen der Berliner Altersstudie II.

Eingeschränkte Bewegungen, Muskelschwund, allgemeine Schwäche und brüchige Knochen sind häufig im höheren Lebensalter. Die gute Nachricht lautet: Sport hilft. Vor allem Männer sind im Alter deutlich länger fit, wenn sie ihr Leben lang kontinuierlich Sport treiben. Dies analysierten Wissenschaftler des Sozio-oekonomischen Panels am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Kooperation mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Forschungsgruppe Geriatrie der Charité – Universitätsmedizin Berlin im Rahmen der Berliner Altersstudie II.

Peter Eibich vom SOEP im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW), Ilja Demuth und Kristina Norman von der Charité Berlin untersuchten, ob es einen Zusammenhang zwischen regelmäßigem Sporttreiben in frühen und späteren Lebensjahren auf der einen Seite und der körperlichen Fitness auf der anderen Seite gibt. Die Fitness bestimmten die Forscher durch das Messen der Greifkraft, die einen guten Indikator dafür darstellt, wie gesund und kräftig jemand ist. Weiterhin wurde ein Risikowert für Schwäche und Knochenbrüche für jeden Teilnehmer ermittelt, bei dem Gewicht, Größe und die Verteilung der Muskelmasse einfließen.

Der Verlust an Muskelmasse und damit an Muskelkraft ist Teil des normalen Alterungsprozesses. Zwischen dem 45. und dem 90. Lebensjahr verliert ein gesunder Mensch etwa die Hälfte dieser Muskelmasse. Doch wenn sie und die damit verbundene Muskelkraft im Alter übermäßig schwinden, sprechen Experten von Sarkopenie. Bei Menschen, die darunter leiden, besteht mitunter ein erhöhtes Risiko für Stürze und Knochenbrüche.

Die Wissenschaftler werteten Daten von 891 Personen im Alter zwischen 60 und 85 Jahren aus, die dazu umfangreiche Fragebögen zum Freizeitverhalten ausfüllten und sich auch medizinisch durch die Charité körperlich untersuchen ließen. Die Fragen stammen aus dem Katalog des SOEP, der größten und am längsten laufenden multidisziplinären Langzeitstudie in Deutschland. Um den Einfluss der sportlichen Betätigung z.B. im frühen Erwachsenenalter oder im Alter auf den gegenwärtigen Fitnesslevel zu bestimmen, unterteilte das Forschungsteam die Teilnehmer in verschiedene Gruppen: Neben denen, die Zeit ihres Lebens mehr oder weniger inaktiv waren, wurde die Gruppe in solche unterteilt, die jetzt körperlich aktiv sind, in solche, die die nur bevor sie 30 Jahre alt waren aktiv waren und sich jetzt nur noch wenig bewegen, sowie in solche, die sich sowohl jetzt als auch in der frühen Erwachsenenzeit aktiv körperlich bewegen bzw. bewegt haben. Verglichen wurden die Gruppen einerseits untereinander als auch mit denjenigen, die nie körperlich aktiv waren.

Die Auswertung der Ergebnisse zeigt: Männer, die bereits im jungen Erwachsenenalter von weniger als 30 Jahren begonnen hatten, Sport zu treiben und bis heute sportlich aktiv sind, haben im Vergleich zu Männern, die nie im Leben aktiv Sport gemacht haben, einen deutlich höheren Anteil an Muskelmasse. Damit haben sie nur ein halb so hohes Risiko an Sarkopenie zu erkranken. Auch bei einem Greifkrafttest, der über die Muskelkraft und den allgemeinen Gesundheitszustand Auskunft gibt, schnitten sie deutlich besser ab. Doch Sport sollte kontinuierlich betrieben werden: „Nur als junger Mann Sport zu treiben oder erst als Senior damit zu beginnen, reicht nicht aus, um das Risiko einer Sarkopenie zu verringern“, sagt der Gesundheitsökonom Peter Eibich, Erstautor der Studie. Privatdozentin Dr. Kristina Norman, Medizinwissenschaftlerin in der Forschungsgruppe Geriatrie der Charité, fügt hinzu: „Bei den Männern, die nur in jungen Jahren oder erst kurz vor der Untersuchung trainiert hatten, zeigte sich im Vergleich zu Männern, die nie Sport getrieben haben, kein messbarer Effekt auf die Muskelmasse oder die Greifkraft.“ Wer sich also nur in der Jugend bewegt hat, profitiert im Alter nicht mehr davon. Bei Frauen konnten die Forscher keine signifikante Veränderung der Muskelmasse feststellen, unabhängig davon, in welchem Lebensalter und wie kontinuierlich sie Sport getrieben haben.

Aus den Ergebnissen lässt sich ableiten, dass es wichtig ist, sich dauerhaft ausreichend zu bewegen und einen aktiven und bewegten Lebensstil das ganze Leben kontinuierlich beizubehalten.

Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Journal of Gerontology" veröffentlicht: Peter Eibich, Nikolaus Buchmann, Martin Kroh, Gert G. Wagner, Elisabeth Steinhagen-Thiessen, Ilja Demuth, Kristina Norman.Exercise at Different Ages and Appendicular Lean Mass and Strength in Later Life: Results from the Berlin Aging Study II, The Journals of Gerontology: Series A, Medical Sciences, [online first: 2015-09-09], 2015. doi: 10.1093/gerona/glv171 

Autorin: Katrin Schaar. Nachdruck nur mit Genehmigung.